Mündigkeit

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Eine zivilisierte Welt zielt darauf ab Menschen zu mündigen – d.h. urteilsfähigen und eigenverantwortlich handelnden – Bürgerinnen und Bürgern zu bilden. Wir können sage, dass mündige Menschen, sowohl Aufgabe und Ziel der Zivilisation sind als auch deren Garant.

Das kindliche Gemüt empfindet die Welt als gut und die Erwachsenen – die Führungspersonen – dem entsprechend als ‚gut Tuende, die alles richtig machen. Ein Kind braucht sich in den ersten Lebensjahren dazu keine Überlegungen zu machen, handelt es sich doch noch nicht um bewusstes Vertrauen. Dieses, dem Kind engeborene, Vertrauen in die Güte der Welt und ihrer Repräsentant*innen ist notwendig für die seelische Entwicklung eines noch jungen Menschen.

Der Erwachsene aber will sich sein Urteil selber bilden. Ob etwas richtig oder falsch ist, will er/sie auf Grund von Fakten, Logik und entsprechender Nachvollziehbarkeit selber entscheiden können. Führer*innen haben nicht mehr per se recht sondern ihr Tun wird kritisch hinterfragt, soll kritisch hinterfragt werden können. Wir können sagen, dass in einer zivilisierten Welt Mündigkeit einen Schutz vor sich ausbreitenden Irrtümern und auch vor Machtmissbrauch darstellt.

Zwischen das Kind und den mündigen Erwachsenen stellt sich die/der Jugendliche, die Zeit der Pubertät. Da wird die Eigenständigkeit erprobt und ihr Schatten – die Opposition – gelebt. Nichts, dass von ‚oben’ kommt ist dann richtig. Das Falsche wird gesucht um des Falschen Willens. Der mündige Mensch sucht das Richtige um des Richtigen Willens. Eine schwierige Zeit auf dem Weg zur Mündigkeit und doch wichtig.

In wie weit jede*r einzelne von uns schon in der Mündigkeit – im wirklichen Erwachsenenalter – angekommen ist, können wir am individuellen Umgang mit der gegenwärtigen Corona-Krise etwas erkennen. Glauben wir noch alles, was unsere Führer sagen oder wollen und können wir kritisch prüfen, was uns vorgelegt wird oder aber gehen wir gegen alles in Opposition, was von ‚oben’ kommt (ohne jegliches Verständnis für das Verhalten der Führenden)?

Nun gibt es noch eine andere Ebene der Mündigkeit, die Ebene des mündig Machens. Bildung ist der eigentliche Prozess, der Menschen mündig machen sollte. Bildung heisst heute leider vor allem, dass Schüler*innen Themen in den Kopf gedrückt werden, die sie in ihrem Leben, in ihren Realitäten so gar nicht ansprechen. Es wird zwar einiges unternommen, diese Themen aufzuarbeiten, doch werden sie darum weder lebensecht noch den Kinder gerecht. Und wenn es dann um lebensechte Themen geht (z.B. Wohlbefinden und Gesundheit) werden abstrakte Konzepte vor das Kind hingestellt. Den noch nicht Mündigen wird von ‚oben’ gesagt, was gut und richtig ist. Wie aber soll ein Kind so ermutigt werden, das selber für sich beurteilen zu können?

Das ist also nicht der Weg in die Mündigkeit, sondern der Weg in den Gehorsam. Genau dieses Verhalten spiegelt sich in den Corona-Massnahmen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Den Menschen werden nicht Fakten vermittelt. Die Obrigkeit bemüht sich nicht einmal um Nachvollziehbarkeit, nein unkritischer Gehorsam wird abverlangt. Befehle statt Logik. Einwegkommunikation statt Nachvollziehbarkeit. Corona offenbart auch in der Schweiz, worum es der Regierung geht: nicht um Mündigkeit sondern um Gehorsam. Das aber führt hinaus aus der Zivilisation und hinein in einen Totalitarismus.