Furcht kann Leben retten …

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Zuerst müssen wir mal den Begriff ‚Angst’ abgrenzen um überhaupt einen sinnvollen Zugang zu finden. Angst bezeichnet ein Gefühl, dass dem der Furch nicht unähnlich ist. Beide sind erlebbare innerer Irritationen. Im Unterschied zu Angst bezieht sich Furcht aber auf eine äussere also tatsächliche reale Bedrohung. Eine Antilope fürchtet sich aus gutem Grund vor einem jagenden Löwen. Er würde ihr Leben auslöschen! Ist er aber nicht auf Jagd und die Antilope hat trotzdem eine ‘innere Irritation’, dann hat sie Angst. Bei Angst fehlt die reale Bedrohung und das ist ein bedeutsamer Unterschied! Furcht wird durch Bedrohung ausgelöst; Angst wird zur Bedrohung!

Furcht ist eine – aus der Grundbegabung Antipathie abgeleitete – Seelenfähigkeit und setzt zwei Qualitäten voraus, eine räumliche und eine zeitliche. Die Gefahr muss sowohl real existent d.h. räumlich als auch unmittelbar, sprich zeitgenau vorhanden sein! Kurz: hier und jetzt! Melden unsere Sinne eine Lebensbedrohung, wird Alarm und eine Selbstschutzreaktion ausgelöst. Wir teilen diese Selbstschutzfähigkeit sowohl mit Pflanzen als auch mit Tieren. Als Seelenfähigkeit, ist Furcht aber nur bei seelenfähigen Lebewesen (höher entwickelten Tieren und Menschen) vorhanden. Furcht wird im Hirn angesiedelt; genauer im Hirnstamm (dem ältesten Teil unseres physischen Gehirns), dass auch ‚Reptilienhirn’ genannt wird (s. Beitragsbild). 

Nun gibt es aber noch eine verwandte Fähigkeit, die hier erwähnt werden muss, die erhöhte Aufmerksamkeit und die ist zuerst furchtfrei. Denn nur so kann sie zu einer Sinnesschärfung, einer erhöhten Wachsamkeit führen. Furcht führt zu einer Sinnesfixierung (auf die Bedrohung), Angst zu einer Lähmung! Die Möglichkeit des ‚Sammelns der Sinne’ (Wachsamkeit) stellt eine zentrale Lebenserhaltungswerkzeug dar. Furcht und entsprechende Reaktionen sind also Folge von erhöhter Aufmerksamkeit durch entsprechende Sinneswahrnehmungen. Furcht ist demnach eine natürliche – da ausgelöst durch eine reale und unmittelbare Bedrohung – Angst eine unnatürliche Verhaltensmöglichkeit.

Eigentlich müsste die auf den Hirnstamm reduzierte Furcht Alarmfähigkeit genannt werden. Die Alarmfähigkeit ist kein Gefühl sondern eine Möglichkeit, die zum Gefühl Furcht führen kann z.B. wenn der jagende Löwe nicht gesehen, wohl aber seine Anwesenheit gespürt wird. Erhöhte Wachsamkeit  ist eine Anspannung, die sich dann in Furchtverhalten entladen kann. Furch kann also – im Unterschied zu Angst – eine sofortige Reaktion auslösen. Die Ausschüttung von Stresshormonen, hilft für eine rasche Reaktionsfähigkeit. Enorme Kräfte stehen für eine begrenzte Zeit zur Verfügung während andere Abläufe im Organismus kurzfristig zurück gestellt werden. Das nennen wir Stressreaktion. Die Reaktionsfähigkeiten können sein: Flucht und wenn das nicht (mehr) möglich ist: Todstellen oder Angriff.

Nun ist es aber wichtig, dass auf eine erhöhte Alarmbereitschaft – möglicherweise gefolgt von einer entsprechenden Stressreaktion – wieder Entwarnung folgt. Ist das Furcht auslösende Moment weg, erfolgt die Entspannung des Organismus. Seine Tätigkeiten gehen wieder in den Normalmodus. Auch hier ein Unterschied: Furcht kann sich natürlich entladen ungleich der Angst. Kann sich ein Organismus nicht wieder ‘entladen’, haben wir ein funktionales Problem oder aber aus Furcht wird Angst.

Der hier geschilderte Ablauf ist im Normalfall eigentlich frei von Gefühlen und das wird heute viel zu ungenau wahrgenommen! Gefühle hätten eine lähmende und entsprechende reaktionsverlangsamende Wirkung. Ebenso  entziehen sich diese hier kurz ausgeführten Alarmvorgänge unserem Bewusstsein und das ist gut so. Müssten wir eine unmittelbare Gefahr erst denkerisch erfassen und abwägen, würde das auch verlangsamend auf unsere Reaktion wirken. Wir können spontan reagieren weil diese Fähigkeiten in unserem Organismus verankert sind.

Damit tatsächliche und unmittelbare Bedrohungen aber als solche erkannt werden können, müssen sie vorgängig als solche ‚abgespeichert’ sein. Fremdes löst häufig keine Alarmreaktion aus, was dazu führt, dass Tiere aussterben, weil sie weder den Menschen noch seine Mitbringsel (z.B. Autos) als für sie gefährlich erkennen.

Viren sind nicht sichtbar und ihre Gefährlichkeit wird debattiert. Somit sind sie kein Furcht-  scheinbar aber sehr wohl ein Angstmacher. Mehr dazu demnächst, wenn ich das Thema Angst ergründe.

“… Angst Leben zerstören.”